Die Akteure verlassen die Kontrollstation

Gemeinsam mit Nina Franz habe ich habe eine Beitrag im Band Das Mitsein der Medien.
Prekäre Koexistenzen von Menschen, Maschinen und Algorithmen von Johannes Bennke, Johanna Seifert, Martin Siegler, Christina Terberl veröffentlicht.

  • Moritz Queisner, Nina Franz (2018) Die Akteure verlassen die Kontrollstation. 
Krisenhafte Kooperationen im bildgeführten Drohnenkrieg. In Bennke, Johannes; Seifert, Johanna; Siegler, Martin; Terberl, Christina (Hg.): Prekäre Koexistenz, Paderborn: Fink 2018. Download

Abstract: Die jüngste Forschung über die Steuerung und Navigation unbemannter Flugobjekte konzipiert das Verhältnis von Mensch und Maschine als immersive Synthese, in der Handlungs-, Entscheidungs- und Wahrnehmungsprozesse in Kooperation mit Maschinen realisiert werden (vgl. Suchman, Cullen). An der Schnittstelle zwischen Sinnen, Sensoren und Rechenprozessen werden militärische Operationen zunehmend als Konvergenz zwischen Soldaten und Apparaten aufgefasst. Die Debatte dieser Verschränkung von Mensch und Technik im Kontext von Begriffen wie Kulturtechnik, Dispositiv oder Apriori gehört zu den Grundzügen der Kultur- und Medientheorie. Zuletzt ist sie jedoch zunehmend um Ansätze erweitert worden, bei denen die kooperative Verfasstheit von Medien schon als vorausgesetzt gilt – etwa aus den Human Factor Studies, den Work Place Studies oder den Science and Technology Studies (vgl. Schüttpelz & Gießmann). Wie genau diese Ansätze zur Klärung der prekären Handlungskonstellation von Menschen und Maschinen beitragen, lässt sich erst am konkreten Objekt und durch eine Terminologie klären, die den Begriff der Operation anhand entsprechender Praktiken herausarbeitet.

Am Beispiel der Benutzung von Ground Control Stations (GCS) zeigt der Beitrag das potentiell Krisenhafte der Kooperation von Menschen und nicht-menschlichen Akteuren. Die GCS dient der bild-, ton- und textgeführten Fernsteuerung von Drohneneinsätzen und damit einer spezifischen Operation – der Ausführung von Tötungs- und Überwachungsbefehlen aus der Distanz. Abweichend von aktuellen Debatten über die Anerkennung nicht-menschlicher Akteure, wird Agency in Militär-Operationen immer schon als Co-Agency verstanden: der menschliche Akteur gilt als „Element“ oder „Komponente“ des operativen Systems. Vor dem Hintergrund dieses militärischen Verständnisses der Operation, sollen hier am Beispiel der GCS die Begriffe des Operativen und Operationalen insbesondere mit Blick auf das „operative Bild“ zur Debatte gestellt werden.

Die Beschreibung der Anordnung des GCS und seiner spezifischen Gebrauchsweisen beruht auf Gesprächen der AutorInnen mit Drohnenpiloten im Februar 2017 auf der Militärbasis Maxwell Air Force Base in Montgomery, Alabama. Die drei maßgeblichen Operationen des Sehens, Zeigens und Entscheidens lassen sich in dieser Anordnung als Situationen krisenhafter Kooperation analysieren, deren Bedingungen über die dezidiert technischen Prozesse hinaus auf die Umstände ihrer Gestaltung und damit auf eng verwobene politische, wissenschaftliche und (kriegs-)wirtschaftliche Akteure verweisen. Die Steuerungsoberfläche des GCS, deren primäres Ziel die Implementierung von militärischer Handlungen ist, wird in dieser Beschreibung selbst zum Schauplatz der Anfechtungen und Aneignungen.

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