Im Bildlabor der Neurochirurgie

Wie bestimmen Bilder ärztliche Handlungen und Entscheidungen? Warum kann es für die klinische Praxis produktiver sein, wenn ein_e Medienwissenschaftler_in und ein_e Neurochirurg_in gemeinsam dasselbe MRT- Bild betrachten? Wie können die »blinden Flecken« der medizinischen Bildpraxis interdisziplinär reflektiert und epistemisch für das jeweilige Bildverständnis fruchtbar gemacht werden? Am Beispiel einer typischen Falldokumentation aus der neurochirurgischen Praxis werden grundlegende Stationen im Behandlungsablauf in Form eines Dialogs zwischen verschiedenen bildpraktischen Disziplinen beleuchtet. Dabei treffen das diagnostische Interesse des Arztes am Bild auf kultur- und medienwissenschaftliche Prozessanalysen, in denen die medizinische Bildarbeit selbst zum Gegenstand wird. Gemeinsam wird der Ablauf von der ersten MRT-Untersuchung des Patienten, die für die anatomisch- morphologische Beurteilung so wichtig ist, über die funktionelle Diagnostik wichtiger Hirnfunktionen, die diese Bild-Erkenntnisse entscheidend erweitert, und die präoperative Planung bis in den Operationssaal verfolgt, wo der Patient schließlich auf der Grundlage der diskutierten Bilder behandelt wird. Die dabei auftauchenden bildkritischen Fragen und Beobachtungen sollen einen Einblick geben, wie sich verschiedene disziplinäre Perspektiven auf Bilder so ergänzen können, dass in einem derartigen »Bildlabor« längerfristige Synergien für Theorie und Praxis entstehen, die auch die Vermittelbarkeit neuerer, bildgeführter Therapien für den Patienten im Blick behalten und schlussendlich die Behandlungsqualität verbessern sollen. (Intraoperativer Screenshot des navigierten Mikroskops, Brainlab)

  • Citation: Kathrin Friedrich, Thomas Picht, Moritz Queisner, Anna Roethe (2015) Im Bildlabor der Neurochirurgie. Ein interdisziplinärer, bildgeführter Fallbericht. In: Wolfgang Schäffner / Horst Bredekamp (Hrg.): Haare hören – Strukturen wissen – Räume agieren. Transcript. S.31–43.
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