Maschinensehen

Einführung zur „Bildkontroverse Maschinensehen“ mit Peter Geimer und Frank Hartmann. Graduiertenkolleg Sichtbarkeit und Sichtbarmachung, Universität Potsdam, Jun 14, 2012

Der Ausgangsgedanke des Projekts besteht aus einem Verdacht: nämlich dass die Differenz zwischen unmittelbarer visueller Erfahrung und medialer Intervention, zwischen dem, was wir in der Welt sehen und dem, was als Welt dargestellt wird, im Zuge der informationellen Überformung (oder Augmentation) des Sichtbaren, zunehmend unsicher wird. Oder anders gesagt: Die Technisierung visueller Praktiken stellt offenbar die Formen unserer Wahrnehmung unter den Verdacht, nicht mehr nur vom Körper und von den Sinnen her denkbar zu sein. Der Blick durch einen Apparat, die Visualisierung durch eine Maschine, das Sehen mit einem Werkzeug steht dabei für Formen von Sichtbarkeit und Sichtbarmachung, die sich offensichtlich kaum mehr nur als Teil einer natürlichen Erfahrung oder direkten Anschauung erfassen lassen. Die Frage, die wir uns sodann stellen müssten, könnte also lauten: wie lässt sich eine Wahrnehmung beschreiben, die immer weniger der visio eines Betrachters gehorcht, sondern zunehmend in den Apparat verlagert wird. Muss dementsprechend das, was wir Sehen und das, was sichtbar ist, aus der Perspektive von optischen Instrumenten und Apparaten gefasst werden? Oder zumindest unter ihrem Einfluss und ihrer Kontrolle? Oder aber ist die Funktionsbestimmung und die mediale Disposition optischer Apparate vom menschlichen Auge und damit vom subjektzentrierten Repräsentationsraum der klassischen Wahrnehmungsästhetik nicht abzukoppeln?

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