Image Guidance

The project explores the aesthetic, operational and epistemic conditions under which medical visualizations become media of control and direction for action.

Image Guidance ist ein medizinisch-bildkritisches Forschungsprojekt am »Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung. Ein Interdisziplinäres Labor« an der Humboldt-Universität zu Berlin. Im Mittelpunkt des Projektes stehen all jene Visualisierungspraktiken, die als Schnittstelle zwischen Arzt und Patient fungieren und damit handlungsanleitend in den operativen Prozess eingreifen. Den Ausgangspunkt der Untersuchung bildet eine Reihe von Case-Studies, die den praktischen Einsatz der jüngsten Entwicklungen bildgeführter Techniken in der Medizin aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen prüfen und bewerten sollen.

Insbesondere die radio-onkologischen und chirurgischen Therapien haben in den letzten Jahren eine Reihe von Verfahren hervorgebracht, die den Prozess der Bildgebung und Bildführung weit über die reine Diagnostik hinaus ausdehnen. Bestrahlungsanlagen wie CyberKnife synchronisieren inzwischen prä- und intraoperative Visualisierungspraktiken in Echtzeit und Robotertechnik wie das Operationssystem DaVinci ermöglicht die Ausführung chirurgischer Eingriffe am Bildschirm. Die dafür notwendigen Techniken der Steuerung und Automation, der visuellen Registrierung, der Optik, der strahlenbasierten Operation und der Programmierung werden gezielt auf den Kontext von Image Guidance hin entwickelt.

Operationsroboter, endoskopische Navigationssysteme oder intraoperative Augmented-Reality-Anwendungen verbessern nicht nur konventionelle Methoden und Behandlungsmöglichkeiten, sondern verändern die medizinische Diagnostik und Therapie grundlegend. Angesichts der damit verbundenen Bildregime operiert die medizinische Praxis heute nicht mehr nur an menschlichen Körpern, sondern auch an und mit Bildformen wie Röntgenbildern, graphischen Benutzeroberflächen, 3D-Modellen und Videobildern, in denen der ärztliche Eingriff medial definiert und vermittelt wird. Die Praxis der Image Guidance erfordert ein Bildwissen, welches die Curricula der medizinischen Ausbildung bisher nicht bereitstellen.

Vor diesem Hintergrund verfolgt das Projekt das übergeordnete Ziel, die wissenschafts- und kulturgeschichtliche Herausbildung, konkrete Gestaltung und anwendungsorientierte Logik bildgeführter Operationen eingehender zu untersuchen, das mit ihr verbundene implizite und imperative Bildwissen herauszuarbeiten und daraus Konsequen- zen für die ärztliche Ausbildung abzuleiten. Insgesamt zielt das Projekt darauf ab, Image Guidance als Begriff und Verfahren sowohl konzeptuell und epistemologisch als auch in der medizinischen Praxis zu verankern und zukünftige Optimierungs- und Entwicklungsmög- lichkeiten auszuloten.