About

I am a re­se­arch asso­ci­ate at the Cluster of Excellence Image Knowledge Gestaltung. An Interdisciplinary Laboratory of Hum­boldt Uni­ver­sity Ber­lin. I have an aca­de­mic back­ground in Media Studies and Science and Technology Studies with a fo­cus on me­dia theo­ry, image theo­ry and po­liti­cal theo­ry. My cur­rent re­se­arch in­clu­des pro­jects about aug­men­ted rea­lity, com­pu­ter si­mu­la­tion, so­cial me­dia, re­mote war­fare, lo­ca­tive me­dia and peer-to-peer eco­nomy.

Categegories

»Social« Media
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»Social« Media

»Social« Media

Seit der Mensch Infor­ma­tio­nen schnel­ler bewe­gen kann als sich selbst, ver­bin­det sich mit dem Phä­no­men die­ser soge­nann­ten Infor­ma­ti­ons­re­vo­lu­tion auch eine Neu­ver­hand­lung der poli­ti­schen und der sozia­len Dimen­sion von Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­fra­struk­tu­ren. Begriff­lich meint dies einer­seits die Trans­for­ma­tion der Rege­lung öffent­li­cher Ange­le­gen­hei­ten, also eine Neu­fas­sung des Poli­ti­schen und ande­rer­seits die ver­än­der­ten For­men der Gesamt­heit sozia­ler Bezie­hun­gen, also eine Neu­fas­sung von Gesell­schaft. Medien sind da­bei nicht neu­trale Instru­mente oder Mit­tel in Tausch­pro­zes­sen, son­dern als me­dia­le Appa­rate (Ben­ja­min), Codes (Flus­ser), Dis­po­si­tive (Fou­cault), Auf­schrei­be­sys­teme (Kitt­ler), Exten­si­ons (McLu­han) usw. im­mer schon Teil der poli­ti­schen und sozia­len Form, auch wenn sie selbst dazu ten­die­ren sich Wahr­nehm­bar­keit kate­go­risch zu ent­zie­hen.

Spä­tes­tens seit Brechts kano­ni­scher Rede über die Umfunk­tio­nie­rung des Rund­funks von ei­nem Distributions- in ei­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ap­pa­rat ver­bin­det sich mit der Infor­ma­ti­ons­re­vo­lu­tion die Idee der Ver­än­de­rung der Moda­li­tä­ten und Akteure poli­ti­schen und sozia­len Hand­lens, über die Enzens­ber­ger und Baudril­lard spä­ter als uto­pi­sche Vision ei­ner demo­kra­ti­sche­ren Gesell­schafts­struk­tur strit­ten. Seit der digi­tale Medi­en­um­bruch Kom­mu­ni­ka­tio­nen nun zuneh­mend als Inter­ak­tion über me­dia­le Umge­bun­gen orga­ni­siert (Social Media, Web 2.0), scheint sich die­se Uto­pie (in posi­ti­ver wie in nega­ti­ver Hin­sicht) zu rea­li­sie­ren: Ob dies nun Fra­gen nach Besitz, Pro­duk­tion, Regie­rung, Ver­mitt­lung oder Pri­vat­sphäre be­trifft – in ei­ner Gesell­schaft, die ih­ren gegen­wär­ti­gen Sta­tus mit dem Zusatz Infor­ma­tion be­schreibt, ver­han­delt die Beschaf­fen­heit des Media­len die Fas­sung ver­teil­ter Hand­lungs­macht und gesell­schaft­li­cher Ver­hält­nisse neu.

Wäh­rend die Kul­tur­tech­ni­ken der „al­ten“ Medien der Mas­sen­kom­mu­ni­ka­tion wei­ter an Ein­fluss ver­lie­ren, ist die Ver­fasst­heit der Gesell­schaft im Zuge der ver­än­der­ten Orga­ni­sa­ti­ons­lo­gik des Digi­ta­len in eine Krise gera­ten: So ist etwa die der Ethik des Indus­trie­zeit­al­ters ver­pflich­tete Vor­stel­lung der Tren­nung von Pro­duk­tion und Kon­sump­tion heu­te eben­so implo­diert, wie die Fas­sung ei­ner homo­ge­nen und raum-zeitlich begrenz­ten Öffent­lich­keit. Statt­des­sen sind Kom­mu­ni­ka­tio­nen in der digi­ta­len Gesell­schaft zuneh­mend dia­lo­gisch und rhi­zo­ma­tisch orga­ni­siert. Die Netz­kul­tur hat eine ver­teile und hori­zon­tale Infra­struk­tur her­vor­ge­bracht, de­ren Medien erst durch Ihren Gebrauch ent­ste­hen und de­ren community-basierte For­men der Kom­mu­ni­ka­tion des­halb zu­recht als „so­zi­al“ bezeich­net wer­den.

Im Umbruch indi­vi­du­el­ler und kol­lek­ti­ver Interaktions- und Inter­ven­ti­ons­mög­lich­kei­ten voll­zieht sich die Kon­sti­tu­tion und Neu­kon­stel­la­tion von poli­ti­schen Macht­ge­fü­gen im­mer weni­ger inner­halb fes­ter hier­ar­chi­scher Ord­nun­gen, uni­di­rek­tio­na­ler Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mo­delle, räum­lich und mate­ri­ell kon­kre­ter Besitz­struk­tu­ren oder natio­na­ler Regulierungs- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­räume (Volks­par­teien, Natio­nal­staa­ten, Insti­tu­tio­nen, Mas­sen­me­dien etc.). Der da­mit ver­bun­de­nen Trans­for­ma­tion von Herrschafts- und Wis­sens­ord­nun­gen ent­spricht aber kei­nes­wegs so et­was wie eine Welt­re­gie­rung oder über­ge­ord­nete Struk­tur. Viel­mehr ent­ste­hen netz­ar­tig infor­mierte, trans­na­tio­nal ope­rie­rende und orga­ni­sa­to­risch dif­fuse Agen­ten, die ein­deu­tige Zuord­nun­gen nicht mehr zulas­sen (so­zia­le Bewe­gun­gen, dot.coms, Whistle-Blower, Blog­ger, Offshore-Finanzplattformen, Pira­ten, Flashmobs, Fol­lo­wer, Ter­ror­netz­werke, NGOs, Facebookgruppen, Staatstrojaner, Crowd-Funder etc.). Diese neu­en Akteure eta­blie­ren For­men der Han­delns, de­ren zen­tra­les Instru­ment der poli­ti­schen Steue­rung der Zugriff auf und die Zir­ku­la­tion von Infor­ma­tio­nen sind. Ihre Hand­lun­gen basie­ren da­bei auf Modi der Inter­ak­tion, die we­der hier­ar­chisch, zen­tra­li­siert oder insti­tu­tio­na­li­siert noch räum­lich kon­kret, ter­ri­to­rial regu­liert oder an Besitz gebun­den sein müs­sen (file sharing, DoS-Attacks, stock exch­ange, ubi­qui­tous com­pu­ting, crowd-sourcing, lik­eing, datami­ning etc.).

Vor die­ser me­di­al indu­zier­ten Trans­for­ma­tion zeich­nen sich zwei kom­ple­men­täre Ten­den­zen ab, die das Projekt in den Blick nimmt: einer­seits unter­wan­dern die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­zesse eta­blierte Macht­ver­hält­nisse und ver­än­dern Par­ti­zi­pa­ti­ons­struk­tu­ren (Dezen­tra­li­sie­rung, Deter­ri­to­ria­li­sie­rung, Asym­me­trie­rung etc.), die etwa eine Ablö­sung des Para­dig­mas der Kon­troll­ge­sell­schaft (Deleuze) durch das Kon­zept der Mul­ti­tude nahe­le­gen (Negri & Hardt). Ande­rer­seits wei­sen sie aber auch tech­no­kra­ti­sche und impe­ria­lis­ti­sche Effekte auf, die gegen­wär­tig zu ei­ner Neu­kon­fi­gu­ra­tion von Hege­mo­nie füh­ren. Den Libe­ra­li­sie­rungs­er­schei­nun­gen durch digi­tale Informations- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gien ste­hen also auch neue Mög­lich­kei­ten der Kon­trolle und Beherr­schung gegen­über, die nicht nur im Iran oder in China, son­dern ge­nau­so bei Google, der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung oder im Media­markt ne­ben­an unüber­seh­bar sind. (Bil­der: Eugène Delacroix: Die Frei­heit führt das Volk, New York Times, Second Life)

 

Timeline

  • Essay: Armchair Activist. In: Aesthetics of Resistance (2015), Pictorial Glossary, The Nomos of Images, ISSN: 2366-9926, URL: http://nomoi.hypotheses.org/252.
  • Lecture: „Log-in to the re­vo­lu­ti­on? Eine Lokalisierung von Protesträumen„. Deut­scher Kon­gress für Geo­gra­phie, Ber­lin. Oct 01, 2015.
  • Paper: „Click Social Activism? A Localisation of Political Participation After Networks„. In: Plants, Androids and Operators (2014) Edited by Clemens Apprich, Josephine Berry Slater, Anthony Iles & Oliver Lerone Schultz. Mute Books, London.
  • Das iRe­vo­lu­tion-Blog ist ein öf­fent­li­ches Archiv und Experimentierraum und will zei­gen, dass die Zukunft poli­ti­scher Inter­ven­tion kei­ne Tele­vi­sion des Cyber­space ist, die von ima­gi­nä­ren Mas­sen demons­trie­ren­der Ava­tare betrie­ben wird, son­dern dass die Ent­wick­lung von der iso­lier­ten Medien­e­xis­tenz des Cyber­space zum Social Net­wor­ker vir­tu­el­les Han­deln poli­ti­siert und so­zia­le Bin­dun­gen inner­halb von Gemein­schaf­ten ver­stärkt. iRe­volu­tion nimmt da­bei den Zusam­men­hang zwi­schen der Beschaf­fen­heit der Kom­mu­ni­ka­tio­nen und der Trans­for­ma­tion von po­li­ti­scher Partizipation in den Blick und ver­sam­melt Beiträge für den Entwurf ei­ner poli­ti­schen Sozio­lo­gie community-basierter Medien aus der Per­spek­tive der kul­tur­wis­sen­schaft­li­chen Medi­en­wis­sen­schaft.
  • Lecture: “The are­na of pro­test and the re­birth of place – a lo­ca­liza­t­i­on of po­liti­cal par­ti­ci­pa­ti­on af­ter net­works or: how to be­co­me a 1-Click so­ci­al ac­tivist”. @Early Stage Researchers Colloquium of Internet and so­cie­ty. Alexander von Humboldt Institute for Internet and Society. Friedrich-Ebert-Stiftung Berlin. 21.11.2013

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