Social networks, social revolution?

Spannende Diskussion über die Rolle von Social Networks in der letzten Empire-Folge von Marwan Bishara (Al Jazeera Englishs senior political analyst): „Youtube, Facebook and Twitter have become the new weapons of mass mobilisation. Are social networks triggering social revolution? And where will the next domino fall?“. Hochkarätig besetzt mit Carl Bernstein, Amy Goodman, Evgeny Morozov, Emily Bell und Clay Shirky. Interessant finde ich insbesondere die Frage nach dem Trigger: immer wieder wird behauptet, Facebook oder Twitter hätten irgendwelche Proteste „ausgelöst“: das war bereits für die Ukraine und den Iran der Fall, nun in Tunesien oder Ägypten. Ist es nicht merkwürdig, dass sich dieses Mißverständnis immer noch weiter verbreitet? So neu sind die neuen Medien doch nun auch nicht mehr. Die Aura des Revolutionären, die Twitter etwa im Vorspann der Sendung erfährt, halte ich für ebenso falsch, wie die Begriffe trigger oder weapon.

Marcel Weiß hat zu diesem Thema einen überaus lesenswerten Artikel verfasst, in dem er aus Kentaro Toyamas Artikel „Twitter: It Won’t Start a Revolution, But It Can Feed One“ aus The Atlantic zitiert: „Technology magnifies the underlying intent and capacity of people and institutions. But it doesn’t in and of itself change human intent, which evolves through non-technological social forces. […] Successful revolutions are tipping points, which mark the point when the power of capable citizens frustrated with their governments exceeds the will and physical might of a government intent on power. An avalanche’s underlying cause is a flake-by-flake accumulation of snow; similarly, the tipping point of revolution is the culmination of a person-by-person accumulation of frustration and middle-class security. […] Technology can communicate and spread frustration, but it also amplifies government propaganda and misinformation. Technology can accelerate a revolution once it begins, but it can’t feed or educate an enfeebled population to the point of rebellion“. Marcel Weiß zeigt in dem Artikel, wie die Informationsarchitekturen von Facebook und Twitter zwar auf je unterschiedliche Art und Weise zu einem bestimmten Zeitpunkt Kommunikation effizienter gestalten können (etwa indem sie es ermöglichen Gleichgesinnte zu finden), dass ihre Bedeutung aber nicht nur überschätzt, sondern auch falsch bewertet wird, vor allem wenn die Menschen erst einmal „auf der Straße“ sind.

Ähnlich deutlich, aber ungleich pessimistischer kann man das auch in Evgeny Morozovs neuem Buch „The Net Delusion – How not to liberate the World“ nachlesen, in dem er die politischen Erwartungen abkühlt, die auf das revolutionäre Potential des Internets projeziert werden. Auf die Frage nach der Technik-Euphorie erwidert Morozov im Telepolis-Interview: „Es ist einfacher, von einer Twitter-Revolution zu sprechen, als die Widersprüche der iranischen oder chinesischen Gesellschaften wahrzunehmen. In den USA ist die Ansicht weit verbreitet, dass die Menschen in China und dem Iran quasi automatisch rebellieren werden, wenn sie nur genug Kommunikationsgeräte zur Verfügung haben.“ (Bild: Al-Jazeera)

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