Through the Looking-Glass Zum prekären Verhältnis von Transparenz und Opazität bei Head-Mounted Displays

Internationale Tagung Glas. Materielle Kultur zwischen Zeigen und Verbergen, Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin. Dec 11–12, 2015

Im Gegensatz zu opaken Bildflächen verändert sich das Gezeigte bei transparenten Bildern in Abhängigkeit vom Standpunkt des Betrachters. Auf diesem Darstellungsprinzip basieren vor allem bildschirmbasierte Praktiken, die Formen der Beobachtung auch jenseits eines genuin Bildlichen integrieren. Dazu gehören insbesondere sogenannte Head-Mounted Displays, etwa Smartglasses wie Google Glass oder Microsoft Hololens, aber auch Helmet Displays von Kampfpiloten oder Kontaktlinsendisplays. Sie zeichnen sich allesamt durch eine Bildfläche aus, die fortwährend zwischen Transparenz und Opazität oszilliert. Die Überlagerung des natürlichen Sichtfelds des Betrachters mit visuellen Darstellungen suggeriert einerseits ein Durchschauen im wörtlichen Sinne von perspicere und entspricht andererseits dem Blick auf ein Artefakt. Diese Wahrnehmungssituation korrespondiert mit einem Bildverständnis, bei dem das Bild dem Betrachter nicht mehr als opake Fläche gegenüber tritt, das seine Materialität zu verschleiern sucht, sondern im Gegenteil das, was hinter ihm liegt ebenso zu sehen gibt. Anschauung und Darstellung treten hier in eine hybride Gemeinschaft.

Am Beispiel der medialen Produktions- und Rezeptionsbedingungen von Head-Mounted Displays in der Medizin und in der Kriegsführung untersucht der Beitrag die Verschränkung von Formen der Beobachtung und Repräsentation. Es soll gezeigt werden, wie transparente Bildschirme eine synthetische Form des Sehens etablieren, in der Visio und Visualisierung technisch und funktional zusammenfallen. Dazu wird einerseits anhand der Darstellungskonventionen herausgearbeitet, wie die Formen der Bildgebung in die Modalitäten der visuellen Wahrnehmung intervenieren. Andererseits wird das Konzept einer Sehpraxis skizziert, in der die Differenz zwischen unmittelbarer visueller und medial vermittelter Erfahrung zunehmend unsicher wird. Das Sehen auf und durch Glas, so plädiert der Beitrag, erfordert daher ein anwendungsorientiertes Bildwissen, das die Sichtbarkeit und Durchschaubarkeit des Materials gleichermaßen reflektiert und damit grundsätzlich voneinander getrennte Praktiken der Beobachtung und Repräsentation miteinander kombiniert.

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