Bildkontroverse Maschinensehen

Am Donnertag, den 25. Oktober richtet das DFG-Graduiertenkolleg 1539 Sichtbarkeit und Sichtbarmachung die dritte Bildkontroverse aus. Diesmal diskutieren wir mit Peter Geimer (Freie Universität Berlin) und Frank Hartmann (Universität Weimar) über Maschinensehen. Den Ausgangspunkt für die Veranstaltung bildet die Annahme, dass Sehmodelle und –strategien vor dem Hintergrund einer sich fortsetzenden Technisierung visueller Praktiken zunehmend unter dem Einfluss und der Kontrolle von optischen Instrumenten und Apparaten gedacht werden müssen. Diese Intervention in das Wahrnehmungs- und Repräsentationssystem steht für Formen von Sichtbarkeit und Sichtbarmachung, die sich kaum als Teil einer natürlichen Erfahrung oder direkten Anschauung erfassen lässt, aber auch nicht genuin dem Bereich des Bildlichen oder der Visualisierung zuzuordnen ist: Der Blick durch die „Maschine“ scheint weder lediglich auf ein Bild zu fallen, noch auf das, was hinter ihm liegt.

Wir möchten deshalb danach fragen, wie sich eine Wahrnehmung beschreiben lässt, die immer weniger der visio eines Betrachters gehorcht, sondern zunehmend in Apparate verlagert wird. Um die Veranstaltung dabei um eine Kontroverse herum zu gestalten, könnten zwei Perspektiven die Leitfragen und den Rahmen für eine gemeinsame Debatte bieten:

A. Müssen wir optische Medien als aktive kulturelle Agenten in den Blick nehmen und ihnen damit eine Präsenz und einen Eigensinn zusprechen? Muss in der Folge wohlmöglich sogar der stabile subjektzentrierte Repräsentationsraum der klassischen Wahrnehmungsästhetik zugunsten einer Vorstellung von Imagination und Einbildung aufgegeben werden, die nicht mehr Teil einer natürlichen Wahrnehmung oder direkten Anschauung ist?  Verbindet sich mit dieser medialen Intervention in die Ordnungen des Sichtbaren gar eine Relativierung anthropologisch-körperlicher Grenzen des Sehens, mit der visuelle Wahrnehmung als mediale Erfahrung maschinenabhängig wird?

B. Oder bleibt der Mensch das Subjekt aller Medien und müssen wir Technologien dementsprechend weiterhin vom Körper her denken, wie es bereits Freuds und McLuhans Prothesen- und Extension-Theorien vorschlugen? Sollte dementsprechend das Nachdenken über Analogien von Körper und Technik von den Sinnen ausgehen? Wäre dann die Funktionsbestimmung und die mediale Disposition optischer Apparate vom menschlichen Auge nicht abzukoppeln? Ist Technik anthropolgisch wohlmöglich gar nicht belangbar, etwa weil ihr keine Urheberschaft nachgewiesen werden kann?

Timetable

10.30 – 14.30 Uhr Interner Workshop (Potsdam)

18.45 – 20.15 Uhr Öffentliche Diskussion (Berlin) im Diaphanes Verlag, Dresdener Str. 118, 10999 Berlin

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