Parteispenden Watch

Die Taz hat auf Basis des Bundesrechenschaftsberichts alle Parteispenden ab 10000 Euro übersichtlich auf einer Karte zusammengefasst. Die Indexierung der Geodaten ist ein schönes Beispiel für das epistemische Potential kartographischer Bildformen: Es ist zwar nicht mehr überraschend, aber doch beeindruckend zwischen der Tabellendarstellung und der Geovisualisierung hin und her zu schalten. Der Trend digitale Datensätze in Karten einzuschreiben, also Inhalte mit Orten zu verknüpfen, scheint sich weiter fortzusetzen. Interessant finde ich dabei, dass Daten inzwischen nicht nur zunehmend ortsspezifisch gesendet werden, sondern eben auch immer mehr ortsbezogen abgerufen. Wenn man davon ausgeht, dass eine Information immer einen Ort hat, könnte man von einer Renaissance des Lokalen sprechen. Denn während die relative Lage von Orten zueinander durch die medientechnische Raum-Zeit-Kompression des Digitalen zunächst scheinbar trivialisiert wurde, d.h. der Ortslosigkeit des „Global Village“ eine „Ästhetik des Verschwindens“ entsprach (Virilio), nimmt die Bedeutung des Ortes im Zuge der Möglichkeiten durch die Geocodierung wieder zu.

Das Projekt, das ebenso wie die Visualisierung der Bewegungsdaten des Grünen-Abgeordneten Malte Spitz von OpenDataCity realisiert wurde, zeigt aber auch erneut, wie wenig offen und transparent die mit Steuergeldern erhobenen Daten in Deutschland sind: der Bundesrechenschaftsbericht lässt sich ausschließlich als PDF herunterladen und muss daher „mittels Texterkennung digitalisiert, kontrolliert und in einheitliche Tabellenform gebracht werden“ (taz). Ich schrieb bereits im September 2010, dass ich es für eine gute Idee halte, „den Bür­gern die Aus­wer­tung Ihrer Daten selbst in die Hand zu geben (so wie es zum Bei­spiel in Bir­ming­ham gemacht wurde) – sie wis­sen selbst bes­ser, was sie wis­sen wol­len. Nur müs­sen dafür natür­lich die rich­ti­gen Aus­gangs­be­din­gun­gen und Schnitt­stel­len geschaf­fen wer­den“ (zum Artikel).  Mit dem gleichen Problem kämpft auch das Projekt offenerhaushalt.de, wie der entsprechende Hinweis zur Datenqualität zeigt: „Leider stehen die Haushaltsdaten nicht in einem offenen, maschinenlesbaren Datenformat zur Verfügung. Wir mussten daher auf einer maschinelle Auswertung der angebotenen HTML-Dokumente („screen scraping“) zurückgreifen“ (offenerhaushalt.de). (Bild: screenshot von taz.de)

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